Nikon FG

1982 kam das Topmodell der Kompaktklasse auf den Markt: die Nikon FG [ TD ]. Ein EM-Gehäuse mit einem Mehr an Technik. Verbesserungen gegenüber der EM: manuell einstellbare Verschlußzeiten, TTL-Blitztechnik und eine Programmautomatik. Die Nikon FG war Nikons erste SLR mit einer Programmautomatik [ TI ].



Belichtungsautomatik war bei Nikon bis dahin gleichbedeutend mit Zeitautomatik gewesen, wenn man von den nachrüstbaren DS-Blendensteuerungen zur F2 absieht.

Die Entwicklung einer präzise arbeitenden Blendensteuerung über den Springblendenhebel des Objektivs bereitete Probleme. Bei der Konstruktion des F-Bajonetts und der Objektivmechanik Ende der 50er Jahre hatte noch niemand an eine Programmautomatik gedacht. Man strebte eine hohe Bildfrequenz im Motorbetrieb an und legte die Übersetzung der Springblende recht kurz aus.

Zwischen der offenen Blende und der kleinsten Blende (16) bewegt sich der Springblendenhebel nur um knapp 5 mm. Dabei wird ein Bereich von 6 Blendenstufen überbrückt. Das heißt: eine Veränderung von 3/10 mm am Springblendenhebel konnte mehr als 1/3 Blende Unterschied ausmachen. So genau kann keine mechanische Steuerung arbeiten, die ja auch mit fast allen Systemobjektiven und ebenfalls mit den auf das Ai-System umgebauten Typen funktionieren sollte. Man ließ sich dazu einen Kunstgriff einfallen. Angenommen, die Programmautomatik wählt aufgrund der Lichtverhältnisse eine Zeit/Blenden-Kombination von 1/125 Sek. und Blende 5,6. Beim Auslösen wird nun zuerst die Objektivblende auf den errechneten Wert geschlossen. Kurz bevor der Spiegel zur Belichtung hochgeklappt wird, mißt die Nikon FG mit abgeblendetem Objektiv die effektive Blende und korrigiert falls erforderlich die Verschlußzeit. Stellt die Kamera also in dem genannten Beispiel fest, daß die effektive Blende nicht 5,6, sondern 1:6 beträgt, wird durch die Nachmessung die Verschlußzeit entsprechend verlängert.



Durch diesen Kunstgriff konnte man, ohne die Systemkompatibilität zu verlassen, die Programmautomatik in das Nikon System integrieren. Selbst eine defekte Springblendenmechanik würde nicht unbedingt zu Belichtungsfehlern führen. Abgestimmt war die Programmautomatik auf gleiche Gewichtung von Zeit und Blende, ausgehend davon, daß der Fotograf ein bewegungsloses Motiv fotografiert und einen mittleren Schärfentiefebereich benötigt. Zusätzlich zur Programmautomatik verfügt die Nikon FG über eine Zeitautomatik, über quarzgesteuerte Verschlußzeiten von 1/1000 bis 1 Sek. und die beiden stromunabhängig arbeitenden Stellungen B und 1/90 Sek. Die akustische Warnung ist abschaltbar und in das Filmempfindlichkeits-Einstellrad (ISO 12/12° - 3200/36°) eine Belichtungskorrektur von +/- 2 Lichtwerten integriert. Im Sucher mit der fest eingebauten K-Scheibe zeigt am rechten Rand eine Kette roter Leuchtdioden die von der Kamera gewählte Verschlußzeit im Automatikbetrieb an.

Beim manuellen Betrieb leuchtet eine Diode für die eingestellte Zeit, während eine oder mehrere blinkende LED die von der Kamera vorgeschlagenen Werte anzeigen. Eine Über- oder Unterschreitung des Zeitenbereiches signalisiert die Nikon FG mit Leuchtdioden über der 1/1000- bzw. unter 1 Sek.-Markierung. Blinken beide gleichzeitig, weist die Nikon FG darauf hin, daß bei Programmautomatik nicht die kleinste Blende am Objektiv eingestellt ist. Diese Warnung setzt ein, wenn das Objektiv auf eine größere Blende als 11 eingestellt ist.



Äußerlich fällt gegenüber der EM neben dem nur 30 Gramm höheren Gewicht der mit einer Schraube befestigte Handgriff auf, der der kleinen Kamera eine bessere Handhabung verleiht. Zum Betrieb mit dem zur Nikon FG vorgestellten Motorantrieb MD-14 oder dem MD-Emuß dieser allerdings abgeschraubt werden.


Ebenso wie die EM verfügt auch die Nikon FG über eine Gegenlichttaste anstelle einer Meßwertspeicherung, auf Abblendtaste und die Blendeneinspiegelung im Sucher hat man mit Rücksicht auf einen niedrigen Preis ebenfalls verzichtet. Die Kamerarückwand ist abnehmbar und gegen die Datenrückwand - ein zum Zeitpunkt der FG-Markteinführung in Mode kommendes Zusatzgerät - MF-15 austauschbar.



Auch in der Blitztechnik hat man nicht gespart, sondern der Nikon FG zur TTL-Blitzmessung eine Meßzelle im Kameraboden spendiert. So üppig ausgestattet ging die Nikon FG in den Kampf um die Gunst des Hobbyfotografen. Sie hatte es allerdings nicht leicht, denn zu ihrer Zeit war der SLR-Markt leicht rückläufig und durch ihre Verwandschaft zur EM konnte sie nicht an den Imagewert einer Canon AE-1 Program oder Minolta XD-7 tippen. Schade.